Glücksburg (pm) - „Strom fließt, Testlauf bestanden!“ Erleichtert und stolz schauten die zehn Workshop-Teilnehmer steil nach oben, wo sich ihre selbst gebaute „Scoraig“-Kleinwindkraftanlage drehte: fünf Tage lang hatten Studentinnen und Studenten aus den USA und Uganda, dänische und mexikanische Betreuer, österreichische, brasilianische und deutsche Anleiter eine Windkaftanlage nach dem Plan eines schottischen Ingenieurs gebaut und dabei eine interdisziplinäre Grundausbildung im Schnelldurchlauf absolviert: Holzschablonen mussten gebaut, Rotorblätter gehobelt, Kupferkabel gewickelt und in Epoxidharz vergossen werden; Magnete waren verkleben, Gegengewichte zu dimensionieren und elektrische Schaltungen zusammenzubauen.

Dabei hatten nur wenige der amerikanischen Studierenden, die an der Universität Kopenhagen einen mehrmonatigen Aufbaukurs zu nachhaltiger Entwicklung belegen, über Theorie-Vorlesungen zu erneuerbaren Energien hinaus handwerkliche Vorkenntnisse. Aber Jonathan Schreiber aus Österreich und der in Frankreich lehrende Assistenzprofessor Luiz Villa aus Brasilien verstanden es, die Teilnehmer in parallelen Arbeitsgruppen Schritt für Schritt an komplexere Herausforderungen heranzuführen. 

Praxiserfahrung zu sammeln und das Gesamtkonzept zu verstehen war das Hauptziel des maßgeschneiderten Workshops im Glücksburger Zentrum für nachhaltige Entwicklung, artefact. Verschiedene Kleinwindkraftanlagen werden dort zu Ausbildungs- und Testzwecken immer wieder mal errichtet. „Aber ein so internationaler Kurs war selbst für uns ungewöhnlich,“ meint dazu Werner Kiwitt von artefact, der über die positive Resonanz der Teilnehmer sehr erfreut war. Dabei ist der ausgewählte Kleinwindanlagen-Typ ein alter Bekannter: Afrika-Rückkehrer, die über das weltwärts-Programm von artefact „solivol“ ein Jahr lang als Freiwillige in Tansania und Uganda waren, hatten dort vor einigen Jahren die Kleinwindkraftanlage kennengelernt und erstmals auf dem Gelände in Glücksburg errichtet. Die neu gebaute 800-Watt-Anlage wurde nach dem erfolgreichen Testlauf nun jedoch demontiert und in Einzelteilen mit nach Kopenhagen genommen, wo sie einen Standort an der Universität bekommen soll.

 

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Text/Foto: artefact